Eremias 1.01 - Die Kontemplation

 Das Anforderungsprofil eines Verschwörungshistorikers lag völlig im Dunkeln, es war Neuland.

Die klassischen Geisteswissenschaften bildeten den Umfang bei Weitem nicht ab. Schließlich bewegen sich die modernen Verschwörungstheorien nicht nur in den Geisteswissenschaften, sondern mehr und mehr in den Naturwissenschaften, der Weltraumforschung und der Medizin.

Ein Germanist oder Altphilologe wäre heillos überfordert. Selbst ein Jurist mit Einserexamen und Auslandssemester konnte den Anforderungen nicht genügen.

Auch wenn Lehrer bei vielen Ereignissen glauben, die Besten zu sein, haben sie in diesem Fall einen entscheidenden Fehler, sie sind Besserwisser und somit unbrauchbar.

Es musste eine Persönlichkeit mit ganz anderem Kaliber für diese Aufgabe gewonnen werden.

Eremias war studierter Genetiker und hatte seinen Abschluss in Sinologie. Er verbrachte einige Jahre an der Universität Peking und sprach fließend Mandarin.

Zuletzt coachte er den Heilpraktikerbund und war für dessen Außendarstellung verantwortlich.

Mit 45 Jahren ließ er seinen 5 Jahresvertrag auslaufen, weil er der festen Meinung war, der Hype um die Pillendreher habe den Zenit überschritten.

Während eines Kurzurlaubes auf den Lofoten, Eremias war leidenschaftlicher Hochseeangler, erreichte ihn die Meldung, die europäische Forschungskommission beabsichtige, einen Lehrstuhl für Verschwörungstheorien ins Leben zu rufen.

Dafür war er, Eremias, der richtige Mann!

Ein Telefonat mit einer hochgestellten Persönlichkeit in Berlin, selbst Physikerin mit weitreichendem Einfluss, machte die Sache perfekt.

Eremias wurde der erste europäische Verschwörungshistoriker mit weitreichenden Befugnissen.

Mit seinem Lehrstuhl wollte Eremias an keine Grosstadtuniversität. Die besten Voraussetzungen, recherchierte er, habe er in Passau.

Dort seien schon immer die unterschiedlichsten Strömungen und Denkrichtungen vertreten gewesen.

Ein übermächtiger Klerus, eine sich selbst lähmende CSU bei einem umtriebigen SPD Bürgermeister, vermengt mit allerlei Okkultem, wie dem Scharfrichterhaus und den Goldhaubenfrauen.

Das alles in einem wunderbaren Dreiklang mit Hochwasser, Europabibliothek und dem Wallfahrtsort Mariahilf.

Mehr geht nicht, sagte sich Eremias im Stillen und pilgerte erst mal zur Kontemplation die 321 Stufen hoch zu Mariahilf.

17.7.17 13:30

Letzte Einträge: Im Baumarkt ist die Hölle los, Sonntagmorgen nicht auf dem Balkon, Was machst Du da?, Es ist mir entfallen, Mehr LINKS

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen


Werbung