Im Baumarkt ist die Hölle los

Der Baumarkt war mal das klassische Männerrefugium. Damit ist jetzt Schluss!
Es kündigte sich schon vor Jahren an, als immer mehr Märkte Teppiche und Vorhangstoffe mit allem drum und dran ins Sortiment nahmen.
Jetzt passierte es!

Der erste Baumarkt verkauft Schuhe!
Nicht nur Arbeitsschuhe, die hatte er schon immer im Sortiment.
Nun verkauft ein Baumarktmitarbeiter in Latzhose, mit Meterstab in der Hose, elegante Damenschuhe. Das Sortiment braucht sich hinter einem konventionellen Schuhgeschäft nicht verstecken. Alle gängigen Marken sind vorrätig. Selbst die neuesten Modelle der Schuhmessen gehören zum Angebot.

»Wer einem Handwerker die passende Schlagbohrmaschine verkaufen kann, der wird selbstverständlich einer Dame passendes Schuhwerk empfehlen können«, so der Geschäftsführer der bekannten Baumarktkette.

Die Damenwelt rennt ihm seitdem die Bude ein.

»Der Bodo, das ist ein ganz Lieber!«, flötete eine Kundin, die soeben zwei paar Schuhe kaufte.
»Wie der so vor mich hinkniete und mir die neuen Schuhe anzog. Da lief mir direkt ein wohliger Schauer über den Rücken!«

Sie war heute nicht die einzige Kundin, die von Bodo bedient wurde. Zeitweise standen sie Schlange.

»Außer Bodo lasse ich niemanden mehr an meine Füße!«, versicherte eine Grundschullehrerin mit Doppelnamen. »Der Junge ist so was von einfühlsam und taktvoll!«

»Da fühlt man sich gleich um ein paar Jährchen jünger!«, meinte eine Rentnerin, die soeben ein Paar hellbeige Mokassins erstand.

»Bodo weiß ganz genau, was ich tragen kann. Da muss ich nicht mehr lange suchen und anprobieren. Der stellt mir ein Paar hin und exakt die sind es!«, berichtete begeistert eine Chefsekretärin, die gleich drei Paar Schuhe kaufte. Wegen der sperrigen Einkaufstüte schickte Bodo sogar einen Baumarktmitarbeiter zum Tragen mit.

In wenigen Wochen war das »Phänomen Bodo« in der Kleinstadt in aller Munde.

Ein alteingesessenes Schuhgeschäft in bester Lage am Marktplatz musste Insolvenz anmelden.

Von der neuen Reklametafel neben der Baumarkteinfahrt prangte der Spruch:
»Wir können nicht nur Bretter zuschneiden!«
Daneben sah man Bodo in Latzhose abgebildet mit ein paar eleganten Treterchen in der Hand.

So manches Selfie wurde geschossen mit dem Plakat im Hintergrund.

Führende Schuhdesigner fanden den Weg in die Provinz zu Bodo. Von Ihm wollten sie alle den kommenden Schuhtrend erfahren.
Was der Junge empfahl, wurde zum Topseller in der Schuhbranche.

In einem Interview mit einer Frauenzeitschrift meinte Bodo bescheiden, er habe halt den richtigen Geschmack und Herrenschuhe seien nicht so sein Ding! Männerfüße seien nun mal nicht für die Schuhmode geeignet. Er habe schon immer ein Faible für Damenschuhe.

Zum Jahresende wurde Bodo von oben erwähnter Frauenzeitschrift zum Mann des Jahres gekürt, und die bundesweit aufgestellte Baumarktkette bestimmte ihn zum Topverkäufer.

2.6.17 18:56

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