Hochfrequenz und Buttermilch

Der Maulwurf an sich ist ein scheues Tier! Aber, so scheu er ist, so hartnäckig ist er auch! Ich will das nicht weiter thematisieren, sonst wird noch eine Geschichte daraus!

Warum eigentlich nicht?

Erst muss ich über einen ganz bestimmten Maulwurf erzählen, der seinerzeit unsere Gartenfreuden dämpfte.

Da es nicht irgend ein Maulwurf war, sondern unser Maulwurf in unserem Garten, gaben wir ihm einen Namen! Wir nannten ihn »Theo«! Ich dachte, der Name passe gut zu ihm.

Theo war von Anfang an da! Kaum zog der Frühling ins Land, schon wurden die ersten Erdhügelchen auf dem Rasen sichtbar. Erst zwei, dann vier und morgens drauf waren es sechs, allesamt gleichmäßig über den Garten verteilt.
Theo hatte einen Wahnsinnsüberblick.

Unser Labradorrüde Paco fand das am Anfang noch recht interessant, aber im Laufe von wenigen Tagen ließ er die Erdhaufen links liegen.
Ich hatte damals das Gefühl, Paco und Theo hätten einen Nichtangriffspakt geschlossen. Sie gingen sich aus dem Weg!

Somit mussten meine Frau und ich Theo den Krieg erklären.
Erst mal brachte uns ein Freund Karbit, das wir in die Erdlöcher stopften und Wasser darüber gossen. Paco verhielt sich neutral, mit anderen Worten, es interessierte ihn nicht, was wir da im Garten veranstalteten.

Offensichtlich ging es Theo genau so. Es interessierte ihn nicht die Bohne. Tage später waren neue Maulwurfshaufen aufgeworfen.
Selbst mit noch mehr Karbit und noch mehr Wasser konnten wir kein einziges Scharmützel für uns verbuchen.
Paco blieb immer noch neutral.

Im Baumarkt erstanden wir diverse Mittelchen, wie »Maulwurfschreck« oder »Wühltierfrei«, die, trotz der Lobeshymnen der Verkäufer, allesamt versagten.
Theo ließ sich dadurch nicht beeindrucken.

Dann zog Hightech in unseren Garten ein. Ein solarbetriebener Hochfrequenzapparat wurde in Gartenmitte installiert, das hieß mit seiner Spitze 25 Zentimeter in den Boden gerammt. Alle paar Sekunden sendete der einen, wie der Name schon sagt, hochfrequenten Piepton aus. Und da er in der Gartenerde steckte, sollte sich der Schall auch im Erbboden verteilen und den Maulwurf vertreiben.

Vielleicht nahm es Theo wahr, beeindruckt war er von der Beschallerei nicht. Tage später zeigten sich nämlich neue Maulwurfhügelchen nur wenige Zentimeter von dem Hochfrequenzdingensens entfernt.

Aber, unser Nachbar war beeindruckt, er kam nämlich zu uns rüber.
Ob dieses Gepiepse Tag und Nacht von uns komme?
Ich versprach ihm, die Sache unverzüglich abzustellen.

Somit wanderte der Piepsapparat mitsamt Erdsporn auf dem Müll.
Was auch nicht richtig war, da es ja Sondermüll war.

Zuletzt hofften wir inständig, dass sich Theo in Nachbarsgarten bemühte. Der war viel größer und schöner. Wir hofften vergebens. Theo gefiel es bei uns.

»Ah da schau, unser Theo war wieder aktiv!«, pflegten wir zu sagen, wenn er des nächtens mal wieder gegraben hatte.

Schließlich schlossen auch wir, so wie unser Paco gleich zu Anfang, mit Theo einen Nichtangriffspakt.

Das Jahr drauf suchten wir uns, natürlich nicht wegen Theo, ein anderes Domizil.

Kürzlich erfuhren wir von der neuen Besitzerin, Theo sei immer noch da und sie wolle ihm mit biologischen Kampfmitteln zu Leibe rücken.

Seit 1972 sind durch die Biowaffenkonvention die Entwicklung, die Herstellung und der Einsatz biologischer Waffen verboten.
Ich gehe aber davon aus, dass verdorbene Buttermilch nicht dazu zählt.

7.5.17 12:15

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