Hortensien und Chrysanthemen

 


 

Die Hortensie an sich nenne ich schon mal »Chrysantheme«. Meine Frau verbessert mich sogleich, es nützt nichts. Ich kann mir den Namen »Hortensie« einfach nicht merken.
Das ist schon ein komischer Name, der kommt so altbacken daher. Dabei ist das eine hübsche Pflanze.

Heute haben wir zwei Neue gekauft. Die alte Chrysanth ... , äh Hortensie mussten wir entsorgen. Sie stand den ganzen Winter über draußen, verwelkt, abgestorben, verdorrt, daniedergerafft. Kein schöner Anblick!

Als wir sie entsorgt hatten, man kann auch »weggeschmissen« sagen, meinte meine Frau, sie wäre vielleicht doch noch mal gekommen.

Typisch, erst wegschmeißen, dann jammern!

»Zu spät!«, stellte ich fest und beließ es dabei.

Lange grübelte ich darüber nach, warum ich mir den Namen dieser Pflanze nicht merken kann.
Römische Namen, wie »Quintus Hortensius Hortalus« kann ich mir locker merken.

Das war übrigens ein römischer Senator, kurz »Hortensius« genannt. Er lebte von 114 v. Chr. bis 50 v. Chr. Nebenbei war er Konsul im Jahre 69 v. Chr. und bis zum Auftreten von Marcus Tullius Cicero galt er als der bedeutendste Redner in Rom.

Es gab noch mehr Personen mit diesem Namen, selbst eine weibliche Form, nämlich »Hortensia« gibt es.

    Das lateinische »hortensius« bedeutet »zum Garten gehörig, im Garten wachsend.«

Nun haben wir zwei neue Hortensien!

Das soll nicht genug sein. In Bälde will Doris eine Dritte anschaffen.
Sie will sogar eine Hortensie in Öl malen.

Bei so viel Hortensien um mich herum werde ich mir den Namen wohl oder übel merken müssen!

Ich überlege sogar, ob wir nicht unsere Wohnung »Villa Hortensia« benennen sollen.

In unserem Bekanntenkreis werde ich junge Eltern überreden, ihren Nachwuchs »Hortensia« oder Hortensius zu nennen.

Eigentlich tut mir die Chrysantheme leid, bei all dem Hortensien-Gedöns.

Schließlich ist sie die japanische Nationalblume. Sie steht für Unsterblichkeit und Vollkommenheit, da sie länger blüht als die meisten anderen Blumen. Der Kaiserpalast wird auch als Chrysanthemenpalast bezeichnet und der Kaiser himself sitzt auf seinem Chrysanthementhron.

 


In unserem Kulturkreis kommt ihr Name eher aus der griechischen Ecke.
Der Gattungsname geht zurück auf die bereits bei Plinius dem Älteren verwendete Bezeichnung:
»chrisánthemo, χρυσάνθεμο«.

Chrysantheme = die Gold-Blüte, Gold-Blume aus:
Altgriechisch χρυσός chrysós »Gold«
und ἄνθος ánthos »Blüte«, »Blume«.

Bei Blumen und so einem Zeugs komme ich immer ins Philosophieren.
Das ist auf der einen Seite sicherlich eine echte Bereicherung, es kann aber auch zum Fluch werden.
Philosophieren Sie mal über die Nieswurz oder eine Stinkmorchel. Dabei sind das genau so Geschöpfe Gottes und haben es verdient ernstgenommen zu werden.

Als Erstes werde ich meiner Frau vorschlagen neben unseren Hortensien auch Chrysanthemen zu pflanzen. Da werde ich hart bleiben!

8.4.17 09:36

Letzte Einträge: Im Baumarkt ist die Hölle los, Sonntagmorgen nicht auf dem Balkon, Was machst Du da?, Es ist mir entfallen, Eremias 1.01 - Die Kontemplation, Mehr LINKS

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen


Werbung