Schneckenjagd

 

Ich hab's ja nicht so mit Schnecken.
Anders gesagt, diese schleimigen Viecher sind mir schnurzegal, solange ich einen großen Bogen um sie machen kann.

Bei meiner Frau ist das ganz anders.
Es gab eine Zeit, ist schon ein paar Jährchen her, da mutierte mein angetrautes Weib zum Schneckenjäger.
Wenn ich des nächstens in den Garten schaute, dann konnte es passieren, dass ich Doris mit Stirnlampe, Eimer und Einmalhandschuhen in den Beeten herumstreifen sah.

Ihre Beute waren nachaktive Nacktschnecken, die unsere geliebten Lupinen vollständig aufgefressen hatten, und sich anschickten die Sonnenblumen zu verspeisen.

Eine Ausbildung zum Schneckenjäger hatte Doris nicht. Das gesamte Wissen darüber, brachte sie sich selber bei, autodidaktisch zuzusagen!

Einen Jagdschein oder ein ähnliches amtliches Dokument konnte sie nicht vorweisen. Das war weiter nicht schlimm, da sie ausschließlich auf Privatgrund jagte.

Soweit es ging, unterstützte ich meine Frau. Ich kümmerte mich um die Stirnlampe und tauschte die verbrauchten gegen neue Batterien aus. Ich hatte ein Auge auf sie, wenn sie kurz vor Mitternacht ihren Jagdtrieb auslebte. Man weiß ja nie, ob sich nicht noch anderweitige, vielleicht weit gefährlichere Viecherl im Garten herumtrieben. Ausgerüstet mit einer Stablampe harrte ich hinter der Küchenfenstergardine aus, um bei Gefahr sofort eingreifen zu können.

Am nächsten Tag, gleich morgens in der früh, kam der Frust. Die Schneckeninvasion konnte auch nach mehrfachem Jagen nicht eingedämmt werden.
Dort, wo die Lupinen standen, gähnende Leere und unsere Sonnenblumen waren von den schleimigen Monstern radikal niedergefressen.

Es war ein Kampf gegen Windmühlen.

Der Einsatz von chemischen Waffen in Form von Schneckenkorn zeigte überhaupt keine Wirkung.
Überall sah man Schleimspuren, selbst an senkrechten und glatten Flächen. Kein Pflänzchen war vor ihnen sicher!

Manchmal hatte es den Anschein, je mehr Doris auf die Jagd ging, um so schneller würden sich die Nacktschnecken vermehren.

Wir stellten Bierfallen auf.
Pustekuchen! Morgens war das Gefäß leer, aber weit und breit kein ertrunkener Schneck!

Auf Anraten eines Freundes, der vorgab sich in der Schneckenbekämpfung auszukennen, streuten wir Kaffeesatz um unsere Sonnenblumen. Die Maßnahme verpuffte wirkungslos. In unserer Verzweiflung wechselten wir sogar die Kaffeemarke. Fehlanzeige!

Tagsüber war unser Garten schneckenfrei. Die Fressorgien spielten sich ausschließlich in der Nacht ab.

Wir wollten uns schon schneckenfressende Laufenten zulegen, um der Plage Herr zu werden. Aber, da hätten sich dutzende von Enten in unserm Garten tummeln müssen, meinte ein Fachmann.

Eindringlich riet ich meiner Frau davon ab. Entenscheiße sei auch nicht gerade das Wahre und der würde auch tagsüber überall rumliegen.

So kapitulierten wir schließlich und pflanzten nur noch das an, was die schleimigen Gesellen verschmähten, Hortensien zum Beispiel, Rosen oder Fingerhut.

Die Stirnlampe verschwand in irgendeiner Schublade und der Schneckeneimer wurde anderweitig verwendet.

30.3.17 14:03

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