Was Neues

Eine neue Serie ist angedacht.

Alltäglichkeiten und andere Besonderheiten

unter diesem Obertitel werden neue Geschichten entstehen, darunter auch paranormale Phänomene. Hier eine Rohfassung als Leseprobe:

Wie alles anfing

Die Pfeffermühle war nicht dort, wo sie sonst immer stand. Sie war nirgends zu finden. Der panierte Steinbutt ohne Pfeffer, undenkbar. Er blieb verschwunden, den Fisch aß ich trotzdem, er war salzlastig ohne den Pfeffer. Auch an den darauffolgenden Tagen, es gab keinen Fisch, blieb sie verschwunden. Da ich ganz alleine in meiner Wohnung lebe, seit Wochen keinen Besuch empfing, konnte ich das Verschwinden niemanden anders in die Schuhe schieben. Auch nach mehreren Wochen tauchte sie nicht auf. Ich mochte diesen hölzernen Kumpel mit seinem abgedrehten Knauf. Kann sich eine Pfeffermühle entmaterialisieren? Ich hatte bisher nie davon gehört. Tatsache bleib, meine Pfeffermühle war weg. Ich stellte ganz unsinnige Nachforschungen an, schaute unter mein Bett, wohl wissend, dass sie da nie sein konnte; schaute sogar im Kleiderschrank zwischen Pullovern und T-shirts nach. Nichts! Es gab keinen Anhalt, dass Einbrecher in meiner Wohnung waren. Eine Weile hatte ich den Papierkorb in Verdacht, in dem ich aus Bequemlichkeit auch so manchen Küchenabfall entsorgte. Wie sollte eine Pfeffermühle in den Papierkorb kommen, noch dazu eine voll Funktionsfähige. Natürlich kann man eine Pfeffermühle verschmerzen, was ist schon dran an so einem Ding? Eine Neue ist ganz schnell angeschafft. Aber, die ungeklärten Umstände ihres Verschwindens ließen mir keine Ruhe. Solange ich denken kann gehörte sie zu meinem Inventar. Immer stand sie am gleichen Platz neben dem Salzstreuer auf dem Gewürzbord. Der Salzstreuer ist noch da.


Bis auf den heutigen Tag blieb die Pfeffermühle verschwunden. In all den Jahren des Grübelns und des Zweifelns wurde ich zum Kenner des Paranormalen. Dort wo andere Menschen keine Erklärung mehr geben konnten schöpfte ich meine Erkenntnisse. Es gibt Dinge in unserer Welt, die wir weder messen noch bestimmen können. Sie sind da obwohl unser Verstand sagt: „Das kann nicht sein!“ So besehen war das Verschwinden meiner Pfeffermühle der grandiose Anfang einer phantastischen Erkenntnis.

Das Phänomenale daran, das Paranormale ist in unserem Alltag, wir blenden es nur aus, weil wir es nicht erklären können. Ich meine damit keine esoterischen Spinnereien oder Stühlerücken, nein, plausible Alltäglichkeiten die eine so unverhoffte Wendung nehmen, dass sie nicht mehr erklärbar sind. Leichtgläubige werden solche Phänomene mit Zufall abtun.

Da geht ein Mitfünfziger seit Jahren, was sag ich seit Jahrzehnten, immer den gleichen Weg zur Arbeit. Jahrein jahraus zur gleichen Zeit den gleichen Weg. Nun passierte folgendes. Morgens las er im Lokalteil seiner Zeitung, dass die zur U-Bahnhaltestelle führende Straße mitsamt Gehsteig wegen Kabelarbeiten für zwei Tage komplett gesperrt sei. Es war sein Weg. Daraufhin beschloss er nicht mit der U-Bahn zu fahren sondern ausnahmsweise mit dem Auto. Am zweiten Tag detonierte eine Bombe in der U-Bahnhaltestelle exakt zu dem Zeitpunkt, an dem unser Mitfünfziger sonst am Bahngleis stand und auf die Bahn wartete. Es gab keine Kabelarbeiten, die Straße war auch nicht gesperrt und nirgends in einer Zeitung fand sich darüber eine Vorankündigung. Aber unser Mittfünfziger hatte es in seinem Lokalteil, den er jeden morgen las, gelesen. Die Zeitung lag noch auf seinem Schreibtisch, er suchte die Meldung und fand sie nicht mehr. Statt dessen fand er Tags darauf die Namensliste der Bombenopfer im Lokalteil und las seinen eigenen Namen unter den Toten. Ein Anruf in der Redaktion konnte das Missgeschick nicht ausräumen. Die Liste sei so von der Polizei gekommen. Die Polizei hatte die 7 Todesopfer sehr schnell identifizieren können. Sein Pass fand sich in seiner Brieftasche in der Mantelinnentasche eines der Opfer. Pass und Brieftasche gehörtem ihm, aber es war nicht sein Mantel und die Leiche war ein Fremder. Er solle sich doch mal ausweisen bat der Polizeibeamte auf dem Revier. Sein vermeintlicher Pass, den er vorlegte, zeigte nicht ihn sondern ein x-beliebig fremdes Gesicht. Der bei der Leiche gefundene Pass hingegen zeigte sein Gesicht.

Das x-beliebige fremde Gesicht hatte auch keine Ähnlichkeit mit dem Gesicht des Opfers, das durchaus noch ordentlich trotz Bombe erhalten war.

Das Gesicht des Beamten wurde erst ratlos, dann verzweifelt. Das war zu viel für einen einfachen Oberwachtmeister, wie soll er das Protokollieren, wie seinen Vorgesetzten weiter melden.


 

29.10.11 17:41

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